Rheinische Post langt im Schulstreit zu

Die größte Lokalzeitung vor Ort schreibt heute von „überraschtem Gehabe“ und „Effekthascherei“ bei SPD und Grünen, weil diese sich gegen den Zwangsverbund der Bavierschule mit der Grundschule Falkenstraße wenden.

Dabei vermengt die Zeitung unterschiedliche Sachverhalte, die auseinander zu halten sind.

SPD und Grüne haben immer dafür gestritten, die Frage der Zukunft der Erkrather Grundschulen im Gesamtzusammenhang des Schulentwicklungsplans (SEP) zu untersuchen und zu entscheiden.

Die Bevölkerungsentwicklung ist in Erkrath insgesamt rückläufig. Das deutet darauf hin, dass die Zahl der derzeit vorhandenen Schulen zu groß sein oder werden dürfte.

Ob allerdings und wann die anlaufende Bebauung der Neuen Mitte welche Auswirkungen auf die zu beschulende Zahl der Kinder in Alt-Erkrath haben wird, ob der anhaltende Trend zu mehr Ganztagsbetreuung zu mehr Raumbedarf in den Grundschulen führen wird und wie das abzudecken wäre, sind zwei der wesentlichen Komplexe, die der SEP aufarbeiten muss.

Dabei wird nicht nur der Gesichtspunkt optimaler „Schulbetriebsgrößen“ eine Rolle spielen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit der Unterhaltung und des Betriebs entsprechend vieler Schulgebäude.

Ferner gilt es die Notwendigkeit zu bedenken, die den Schulen angegliederten Turnhallen weiterhin für Schul- und Vereinssport anbieten zu können. 

Deshalb ist in einem Gespräch der Fraktionen mit der Verwaltung der Untersuchungsrahmen des Schulentwicklungsplans unter anderem darauf abgestellt worden. Daher lautet eine der zu untersuchunden Fragen, ob, wann, wie und gegebenenfalls wo eine Zusammenführung der beiden Städtischen Gemeinschaftsgrundschulen in Alt-Erkrath sinnvoll sein kann.

Das ist eine auf die mittlere Zukunft gerichtete Fragestellung.

Im Schulausschuss und Rat wird demgegenüber seit dem Frühjahr letzten Jahres darum gerungen. ob die Bavierschule bei entsprechend ausreichender Anmeldezahl (von mindestens 18 Kindern) eine eigene erste Klasse als eigenständige Schule bilden soll. Bis zum November letzten Jahres haben das alle Fraktionen außer der BmU so gewollt.

Noch im September diesen Jahres, also vor gerade einmal zwei Monaten, hat auch die BmU in einem gemeinsamen Antrag mit SPD und Grünen mit genau dem Inhalt beschlossen, dass die Bavierschule selbstständig im nächsten Schuljahr fortgeführt werden solle. Das war die Geschäftsgrundlage für die Eltern, die ihre Kinder in Alt-Erkrath anmelden wollten. Und dass genau das jetzt auch eingehalten und umgesetzt werden soll, war und ist Position der SPD jetzt im Rat gewesen. Was daran Effekthascherei sein soll, bleibt ein Geheimnis der RP.

Besonders traurig allerdings ist, dass die Zeitung zum Schluss ihres Artikels auch noch zu Angriffen unter anderem gegen den Sprecher der SPD, Detlef Ehlert, auf unterstem Niveau übergeht. Ihm wird vorgeworfen, sich an der Debatte zu beteiligen, obwohl er befangen wäre. Das ist er ausdrücklich nicht, denn dass Ehlerts Tochter in die Falkenstraßenschule geht, ist weder nach dem Gesetz (der Gemeindeordnung) noch nach irgendwelchen anderen Vorschriften ein Grund zur Befangenheit.

Dass ausgerechnet Ehlert sich im Übrigen von solchen persönlichen Verhältnissen „zu seinen Gunsten“ in seiner Meinungsbildung beeinflussen lassen würde, ist bislang nicht mal seinen politischen Widersachern bei CDU und FDP eingefallen. Auf die Idee ist nur die RP gekommen. Ob das nicht tatsächlich Bände spricht, wie der RP-Artikel seinen Beitrag enden lässt?

Der nachfolgend zu lesende Artikel in der Rheinischen Post, RP online, am 4. Nov. 2010: www.rp-online.de/duesseldorf/mettmann/nachrichten/mettmann/Schulen-Aus-Drei-mach-Zwei_aid_926020.html

Schulen: Aus Drei mach Zwei

VON OLIVER WIEGAND – zuletzt aktualisiert: 04.11.2010

Erkrath (RP) In Zukunft wird es in Alt-Erkrath nur noch zwei Grundschulen geben. Die Bavierschule fusioniert trotz heftiger Proteste mit der Falkenstraße. Eine neue Schule könnte unter einem Dach entstehen.

Die Erkrather Schullandschaft wird sich in den nächsten Jahren verändern. Die Grundschulen Bavierschule und Falkenstraße bilden nach dem Beschluss von Rat und Schulausschuss einen Verbund. Damit ist vorerst sicher gestellt, dass der Standort der Bavierschule an der Düsselstraße erhalten bleibt. CDU, FDP und BmU stimmten dafür, SPD und Grüne sind gegen die Fusion.

Klassen von Eltern beaufsichtigt

Spätestens im Mai 2011 wird der neue Schulentwicklungsplan fertig sein. Darin sind Prognosen über die Schülerzahlen in allen Erkrather Stadtteilen enthalten. Zu erwarten ist, dass es in Alt-Erkrath trotz Neubaugebiet Posemarré nur zwei Grundschul-Standorte geben wird. Aller Voraussicht nach werden die jetzt zusammen gelegten Grundschulen in nicht mehr allzu weiter Zukunft unter einem Dach arbeiten. Das Gebäude hat die Stadt schon. Die Hauptschule an der Freiheitstraße wird in drei Jahren geschlossen.

Bis dahin kommt auf die fusionierten Grundschulen viel Arbeit zu. Die Lehrer an der Falkenstraße machen keinen Hehl daraus, dass sie gegen einen Verbund sind. Weil die Direktorin länger erkrankt ist, arbeite man nun an den Grenzen der Kapazitäten. Teilweise würden die Klassen nur von Eltern statt von Lehrern beaufsichtigt, merkte eine Mutter in der Debatte des Rates an.

Schwierig, aber nicht unmöglich wird es, die pädagogischen Konzepte zu vereinen. An der Falkenstraße wird nach Montessori unterrichtet, die Bavierschule ist Regelschule. Bis zum Verbund haben beide fast ein Jahr Zeit. Lehrer und Schulpflegschaften werden sich aneinander gewöhnen müssen und konstruktiv den Verbund umsetzen. Jammern und wehklagen nützt nun nichts mehr, es muss in die Hände gespuckt werden. Zum Jammern war allerdings die so genannte „Debatte“ des Rats. Es brauchte eine fast zwei Stunden lange Diskussion, bis ein selbst ernannter „Hobby-Politiker“ mit ein bisschen Wahrheit herausrückte.

Lehrer Bernhard Osterwind (BmU) fasste sich ein Herz und erklärte den vielen Eltern, Lehren und Zuschauern in der Stadthalle eher beiläufig, dass der Verbund längst bei einer „interfraktionellen Runde“ hinter verschlossenen Türen besprochen worden ist. Das überraschte Gehabe der Grünen und der SPD, warum die BmU denn nun plötzlich für einen Verbund sei, war also nichts als billige Effekthascherei. Wozu also vor Publikum eine „Diskussion“ aufgeführt und so getan wird, als könnten Argumente vorher gefasste Entschlüsse verändern, bleibt ein Rätsel.

Ebenso rätselhaft bleibt auch, warum sich Detlef Ehlert (SPD) und Peter Knitsch (Grüne) mit langatmigen Beiträgen beteiligen, obwohl sie aufgrund allseits bekannter familiärer Beziehungen in den Zusammenschluss der Schulen involviert sind. Die barsche Art und Weise, mit der Schulausschuss-Vorsitzender Andreas Kuchenbecker (Grüne), entsprechende Vorwürfe von Inge Berkenbusch (FDP) zurückwies, sprach Bände.

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