Westdeutsche Zeitung: Wie es auf Pose weiter geht

Neue Mitte Erkrath: „Wir sind noch nicht pleite“

Von Dirk Lotze

Planer und Geschäftsführung der Neuen Mitte Erkrath nehmen zum aktuellen Stand der Arbeiten Stellung.

Großbild Dirk Thomé

Wohnen auf Pose Marré: Vor einer der neuen Stadtvillen steht noch eine Fassade der Industriebrache. Früher produzierte auf dem Gelände ein Edelstahlwerk.

Erkrath. „Schatz, lass uns nach Erkrath ziehen“ – so leicht der Satz gesagt ist, so teuer kann das Vorhaben werden. „Pose Marré – das Quartier“ wird weiterentwickelt, zu Preisen auf Düsseldorfer Nobel-Niveau.

Das Unternehmen Neue Mitte Erkrath hat am Donnerstagabend den Stand seines Projekts präsentiert. Im Infobüro an der Bismarckstraße traten auf Einladung der SPD Geschäftsführerin Constanze Paffrath und Architekt Georg Krautwurst vor 40 Zuhörern erst einmal Gerüchten entgegen.

Ein Jahr Zeitverlust wegen falscher Firmenwahl

„Wir sind noch nicht pleite. Zumindest weiß ich nichts davon“, sagte Krautwurst. Paffrath erläuterte, dass das Projekt inzwischen sieben Jahre dauert: „Ein Jahr haben wir verloren, weil wir auf den falschen Rohbauer gesetzt haben.“ Wie heikel eine solche Panne finanziell bei einem Projekt dieser Größe ist, sagt sie nicht.

Häuser des ersten Bauabschnitts an der Bismarckstraße hätten jahrelang leer gestanden, kommentiert Besucher Helmut Bornstein. „Hier ist lange Zeit wenig passiert“, sagt sein Sitznachbar Claus Kollath. Er interessiere sich für eine behindertengerechte Wohnung, fügt der 71-Jährige hinzu.

Auf dem fünf Hektar umfassenden Grundstück sind kürzlich Atelierhäuser und Stadtvillen entlang der Düssel fertig geworden. „Die ersten Bewohner ziehen noch vor Weihnachten ein“, sagte Krautwurst.

Ab 1868 war das heute Pose Marré genannte Gelände zwischen Düssel, Bismarckstraße und Gerberplatz Produktionsstätte der Papierfabrik Bernsau. Ab 1919 stellte ein weiteres Unternehmen dort Drähte her, in den 1930er-Jahren kam eine Gießerei dazu.

Ein Unternehmen unter Beteiligung des Erkrather Geschäftsmanns Hasso von Blücher kaufte das seit dem Ende des 20. Jahrhunderts brachliegende Grundstück, um es als Stadtteil zu entwickeln. 2004 begann der Planungsprozess.

Kürzlich fertiggestellt wurde ein Riegel aus sechs sogenannten Atelierhäusern und sieben „Stadtvillen“ entlang der Düssel. Wohnungen enthält der nebenan liegende „Würfel an der Düssel.“ Auf einer Tiefgarage an der Gerberstraße sollen demnächst weitere Bauten entstehen.

Für 390 000 Euro Kaufpreis kann man laut Paffrath dabei sein. Dafür gebe es eine Wohnung mit 110 Quadratmetern. Solche Preise können mithalten mit Wohnungen in Düsseldorf-Unterbilk oder Oberkassel. „Wir haben durch die Verkäufe das Preisniveau in Erkrath angehoben“, sagt Paffrath. Die Bauten müssten sich wirtschaftlich tragen, es gebe keine Subventionen für das rein private Projekt.

In „Halle 23“ soll wieder Kultur Einzug halten

Viel freie Fläche ist noch zu sehen rund um die denkmalgeschützten Hallen der alten Gießerei. Wann dort Atelierwohnungen und Lofts entstehen können, lässt das Team offen. In die „Halle 23“ sollten nach dem jetzt laufenden Umbau wieder Kriminächte und Lesungen einziehen, sagt Paffrath. Und ein Restaurant wünscht sie sich: „Aber es ist nicht leicht, einen Gastronomen zu finden. Und dann auch noch in Erkrath.“

Probleme böte die Nähe der Neubauten zum Stadtpark, sagte Paffrath: „Wenn Kunden etwas besichtigen, und in dem Moment lässt jemand im Bavierpark die Hosen runter, wird es schwierig.“

Als Nächstes werde das Baufeld nahe der Bismarckstraße angegangen, sagt der Architekt. Ein Gebäuderiegel könnte gezielt Wohnen für Ältere bieten, auf ein Service-Angebot in Zusammenarbeit mit der Diakonie verweist Paffrath. „Betreutes Wohnen wäre hier eine schöne Sache, so mitten im Ort“, sagt Besucher Georg Kurelle (75).

One thought on “Westdeutsche Zeitung: Wie es auf Pose weiter geht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.