Isabel Klaas in der Rheinischen Post: Steinbrück unterschreibt für Schranke

VON ISABEL KLAAS – zuletzt aktualisiert: 06.03.2013

Erkrath (RP). Die SPD übergab gestern 1287 Unterschriften an den Kanzlerkandidaten. 150 Bürger demonstrierten für den Übergang.

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In den Kommentaren vom Montag macht sich angesichts des neuen Fehltritts von Peer Steinbrück Staunen, zum Teil sogar Fassungslosigkeit breit. Die Pressestimmen.

Großer Bahnhof für Peer Steinbrück – im wahrsten Sinne des Wortes. Die SPD hatte 150 Leute mobilisiert, die am Bahnhof Hochdahl dem Bundestagsabgeordneten und Kanzlerkandidaten 1287 Unterschriften übergaben, mit denen sie erreichen wollen, dass der beschrankte Bahnübergang geöffnet bleibt. Wie berichtet, hatte die Deutsche Bahn den für letztes Jahr vorgesehenen behindertengerechten Ausbau des benachbarten Bahnhofs unerwartet verschoben. Dennoch soll die Schranke ab August dieses Jahres für immer geschlossen bleiben.

Das würde bedeuten, dass besonders körperbehinderte Menschen einen Umweg von über einem Kilometer nehmen müssen, um ihre täglichen Besorgungen erledigen zu können. Viele Betroffene mit Rollstuhl und Rollator erwarteten gestern Peer Steinbrück, um ihm ihr Leid zu klagen.

Bahnhof Hochdahl

Bahnsteighöhe verzögert Ausbau

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr prüft zurzeit, ob die Schienen um 20 Zentimeter angehoben werden können. Die S-Bahnen, die der VRR einsetzen will, brauchen eine Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern. Der Bahnsteig in Hochdahl ist 96 Zentimeter hoch. Bei den Planungen zum behindertengerechten Ausbau des Bahnhofs war dies nicht berücksichtigt worden.

Annelie Günther, zu 80 Prozent schwer behindert, wohnt am Neanderweg. Sie geht jenseits der Schranke zum Bäcker und zur Apotheke. Vor allem aber besucht sie ihre Freunde, die in einem barrierefreien Haus in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs wohnen, und den Johanniter-Treff. „Wie soll ich da hinkommen, wenn die Schranke zu ist?“, fragt sie.

Auf den Bahnsteig kommt sie schon lange nicht mehr. „Ich muss immer jemanden bitten, der mich die Treppen hinauf und hinunter bringt“, sagt sie. Petra Krause leidet an Multipler Sklerose. Sie ist mit dem Rollstuhl unterwegs. „Ich bin vor sieben Jahren extra an die Hildener Straße gezogen, weil ich dachte, hier gut leben und alles allein erledigen zu können. Wie soll ich beispielsweise im Regen mit Schirm einen Umweg von einem Kilometer machen können? Wenn die Schranke geschlossen wird, brauche ich jemanden, der alle Einkäufe für mich übernimmt“, sagt sie. „Es ist schizophren, einen Ortsdurchgang einfach zu sperren“, sagt eine andere Dame erbost. Aber es sind nicht nur die Körperbehinderten, die gegen Bahn und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr wettern. Es sind auch die Geschäftsleute von der Hildener Straße, die befürchten, dass der Käuferstrom unterbrochen wird. Anna Maria Schlebusch, Sprecherin der Werbegemeinschaft Hochdahl, erzählt: “ ,Warten Sie mal, bis die Schranke zu ist, dann wird alles besser‘, hat man uns immer vertröstet. Wenn jetzt die Schranke dicht gemacht wird, ohne dass der Bahnhof ausgebaut ist, wird alles schlechter“, sagt sie.

Peer Steinbrück ließ sich von Erkraths SPD-Chef Detlef Ehlert die Umstände erklären und hörte den Leuten geduldig zu. „Man muss diesen spezifischen Bahnübergang in Erkrath erhalten“, pflichtete er den Anliegern bei und setzte zum Zeichen der Solidarität auch seinen Namenszug auf die Unterschriftenliste. Er sei zuversichtlich, im Gespräch mit Bahnchef Rüdiger Grube etwas für die Erkrather tun zu können. Über den Fortgang an der Bahnkreuzung haben vier Parteien zu befinden: die Deutsche Bahn, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, Straßen NRW und der Kreis. Die vier beziehen sich auf einen Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 1999, nachdem der so genannte schienengleiche Übergang geschlossen werden sollte, sobald die Umgehungsstraße L403 n fertig sei. Das wäre kein Problem gewesen, wenn der Bahnhof Hochdahl zeitnah behindertengerecht ausgebaut worden wäre. Der allerdings wurde wegen eines Problems mit der Bahnsteighöhe vorläufig auf Eis gelegt.

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