Daily Archives: 15. April 2013

15Apr/13

Svenja Lehmann in der WZ: Erkrath setzt ganz auf Ökostrom

Erkrath setzt ganz auf Ökostrom

Von Svenja Lehmann

mit einem Kommentar von Svenja Lehmann

Die Stadtwerke verbannen die Kernkraftenergie. Teurer wird es für den Kunden aber nicht.

Wasseraufstauende Energieriesen wie die Möhnetalsperre im Kreis Soest erzeugen an Deutschlands Flüssen und Stauseen nahezu schadstofffreien Strom – den für die Erkrather kaufen die Stadtwerke jetzt in Norwegen.

Wasseraufstauende Energieriesen wie die Möhnetalsperre im Kreis Soest erzeugen an Deutschlands Flüssen und Stauseen nahezu schadstofffreien Strom – den für die Erkrather kaufen die Stadtwerke jetzt in Norwegen.Archiv, Bild 1 von 2Wasseraufstauende Energieriesen wie die Möhnetalsperre im Kreis Soest erzeugen an Deutschlands Flüssen und Stauseen nahezu schadstofffreien Strom – den für die Erkrather kaufen die Stadtwerke jetzt in Norwegen.

Erkrath. Die Stadt ist jetzt atomstromfrei – die Kunden der Stadtwerke erhalten 100 Prozent Ökostrom, ganz automatisch, ohne Preisaufschlag. Das ist die frohe Botschaft, die Gregor Jeken, Geschäftsführer der Erkrather Stadtwerke, gestern verkündet hat und die ab heute auf Plakaten im ganzen Stadtgebiet zu lesen ist. Ein bisschen komplizierter als es klingt, ist es allerdings doch.

Denn das, was in den Erkrather Haushalten aus den Steckdosen kommt, ist eigentlich das gleiche wie bisher. „Unsere Kunden erhalten den Ökostrom bilanziell, nicht physikalisch“, erklärt Jeken. Das heißt: Die Stadtwerke kaufen Ökostrom, der aus Wasserkraftanlagen in Norwegen kommt. Der wird in das Stromnetz eingespeist und – vermischt mit Strom aus anderen Quellen – über Leitungen in Deutschland verteilt.

Die Lampen in den Wohnzimmern von etwa 30 000 Stadtwerke-Kunden brennen also nach wie vor dank einer Strommischung: rund 40 Prozent Erdgas aus dem Blockheizkraftwerk der Stadtwerke am Klinkerweg, 25 Prozent erneuerbare Energien, 20 Prozent Kohle, sechs Prozent Kernkraft plus sonstige fossile Energieträger.

Mit der Umstellung folgt die Stadt dem Beispiel von Hilden

„Das ist nicht anders möglich“, sagt Jeken. Um zu gewährleisten, dass genau der Strom, der in Norwegens Wasserwerk gewonnen wird, auch tatsächlich bei den Erkrathern ankommt, müsste man eine neue, separate Leitung verlegen. Entscheidend seien daher die Herkunftsnachweise für den zugekauften Strom. „Die haben wir in der vergangenen Woche bekommen“, sagt Jeken.

Die Nachweise werden beim Bundesumweltamt geprüft und für die Stadtwerke entwertet – so soll sichergestellt werden, dass jede erzeugte Kilowattstunde Strom auch nur einmal verkauft wird. Zusätzlich ist der Strom der Stadtwerke vom Tüv Rheinland als Ökostrom zertifiziert. Der Strom aus dem Blockheizkraftwerk landet übrigens direkt beim Erkrather Bürger.

„Wir sehen keine Zukunft in der Kernenergie“, betont Gregor Jeken. „Deshalb haben wir die Kernenergie verbannt, und auch Kohle, Öl sowie andere fossile Energieträger.“ Bereits seit dem 1. Januar ist die Versorgung entsprechend umgestellt. Damit folgt Erkrath zum Beispiel der Nachbarstadt Hilden, die ebenfalls auf Ökostrom umgestellt hat.

Kunden werden persönlich über den Ökostrom informiert

Zusätzlich zu den Plakaten und Werbebannern wollen die Stadtwerke ihre Kunden persönlich anschreiben und sie über den Ökostrom informieren. „Unser Kundenservice steht für Rückfragen auch gerne bereit“, betont Gregor Jeken. Sein Fernziel: „Das irgendwann tatsächlich nur noch grüner Strom aus der Steckdose kommt.“

15Apr/13

Das Signal von Augsburg

Geschlossen hinter Kandidat und Programm

14. April 2013 – Jan Almstedt

Das Signal von Augsburg

Die SPD-Parteispitze in Augsburg: Geschlossen in den Wahlkampf (Foto: Marco Urban / SPD)

Nur wenn es gerecht zugeht in der Gesellschaft, wird Deutschland dauerhaft auch wirtschaftlich erfolgreich bleiben. Das ist die Botschaft von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. In scharfer Abgrenzung zur Merkel-Regierung zeichnete er in Augsburg die Linie, die eine von ihm geführte Bundesregierung für Deutschland ziehen wird: Für sozialen Ausgleich statt Ego-Gesellschaft. Darum: „Abwahl lautet die Parole!“ 

Geschlossen und kämpferisch präsentierte sich die SPD auf ihrem Bundesparteitag in Augsburg: Geschlossen hinter Kandidat und Regierungsprogramm [PDF, 1,5 MB], das die Delegierten am Sonntag einstimmig beschlossen. Kämpferisch mit dem klaren Ziel, die ausgelaugte Merkel-Regierung abzulösen.

„Nicht aus Selbstzweck“, wie der SPD-Kanzlerkandidat betonte. Sondern weil Schwarz-Gelb nur noch „leere Schachteln im Regal“ habe – weder die Kraft noch die Ideen, Deutschland eine Richtung für die Zukunft zu geben. Scharf geißelte er die Ideen- und Richtungslosigkeit von CDU, CSU und FDP.

Klares Bekenntnis zu Rot-Grün

Als klare Alternative zur Noch-Regierung beschrieb zuvor Sigmar Gabriel Rot-Grün. Koalitionen, so der SPD-Chef, sollten nicht geschlossen werden, „weil es rechnerisch passt.“ Denn wohin so etwas führe, sei an Schwarz-Gelb abzulesen. Als zwei Parteien hätten auch SPD und Grüne an verschiedenen Stellen unterschiedliche Schwerpunkte. Gemeinsam sei aber das Ziel, dass es wieder „fairer und sozial gerechter zugeht in Deutschland.“

Rot-Grün werde „mehr Demokratie wagen und das Land nicht länger den Finanzmärkten überlassen.“ Das bekräftigte auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, erstmals auf einem SPD-Parteitag, in ihrem leidenschaftlichen Grußwort: „Die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten wollen wir in die Opposition schicken – das Leben ist viel zu bunt, um es nur schwarz und gelb zu sehen.“

Besser und anders

Worum es am 22. September geht, beschrieb der SPD-Kanzlerkandidat: „Vieles besser und noch mehr anders machen“, so fasste es Steinbrück in seiner oft durch Beifall und Jubel unterbrochenen Rede zusammen. Besser und anders soll es mit der SPD zum Beispiel für Beschäftigte werden, die im Niedriglohnsektor arbeiten müssen. Für Frauen, die weniger Geld bekommen als ihre Kollegen. Oder Leiharbeiter, die weniger als ihre fest angestellten Kolleginnen und Kollegen bekommen.

Besser und anders heißt auch: Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Eine Mietpreisbremse – damit Wohnen bezahlbar bleibt. Den Schutz von Steuerzahlern, damit sie nicht mehr für die Verluste von Spekulanten haften müssen. Mehr Betreuungsplätze für Kinder. Und bessere Bildung für alle, die allen die Chance auf Aufstieg gibt.

Erfolgreiche Regierungschefs in den Ländern für Peer Steinbrück.

Erfolgreiche Regierungschefs in den Ländern für Peer Steinbrück. (Foto: Marco Urban / SPD)

Das WIR entscheidet

Das alles ist im SPD-Regierungsprogramm [PDF, 1,5 MB] festgeschrieben. Ein Programm für ein neues soziales Gleichgewicht – und für wirtschaftlichen Erfolg. Denn beides gehört zusammen. „Ohne das eine ist das andere nicht zu haben“, machte Steinbrück die Wechselbeziehung klar.

Der Kanzlerkandidat will die Ego-Gesellschaft der FDP überwinden. Für mehr Gemeinsinn, die Renaissance der sozialen Marktwirtschaft, die Bändigung des Turbo-Kapitalismus und Zähmung der Finanzmärkte. Dafür will er kämpfen.

Geschlossen in den Wahlkampf

Geschlossen hinter Kandidat und Programm startet die SPD damit in den Wahlkampf. Mit Gestaltungswillen, Kraft und Ideen und zusammen mit vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern werde die SPD das Land verändern.

„Menschen überzeugen, nicht Marketing. Und wir haben die Menschen, die für ein besseres Deutschland kämpfen“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zum Abschluss des Parteitags.

„Weg von der Ellenbogengesellschaft, hin zu einer dynamischen Wir-Gesellschaft. Weg von der Undurchlässigkeit, hin zu einer neuen Aufstiegsgesellschaft. Weg von der Beliebigkeit, hin zum Willen, etwas verändern zu wollen“, fasste Steinbrück zusammen. „Das WIR entscheidet.“ Der Aufbruch: das Signal von Augsburg.

http://www.spd.de/aktuelles/96482/20130414_bpt_abschluss.html