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11Mrz/20

SPD Erkrath: Regiobahn soll auf teure Elektrifizierung ihrer Strecke verzichten und Brennstoffzellenzüge einsetzen

Die Regiobahn sollte schon längst bis nach Wuppertal durchgeführt werden und damit das attraktive Angebot als S 28 von Kaarst über Düsseldorf in die bergische Großstadt erweitern.

Bislang war vorgesehen, „schnellere“ Züge mit Elektroantrieb einzusetzen und dafür  den neuen Teil der Strecke von Mettmann aus und auch den noch nicht elektrifizierten Alt-Ast zwischen Mettmann und Gerresheim mit Stromleitungen auszustatten.

Das hängt aber fest, weil das notwendige Planungsrecht nicht zustande gekommen ist und sich angrenzende Eigentümer dagegen auch gerichtlich zur Wehr setzen.

Außerdem ist die Elektrifizierung sehr kapitalintensiv und lohnt sich nach der Auffassung der Sozialdemokraten nur dort, wo schwere und schnellfahrende Züge zum Einsatz kommen. „Der Platzbedarf an der Strecke zum Aufstellen der Masten und eines Sicherheitsabstands zur Vegetation ist immens. Es werden gerade im östlichen Streckenast tausende Bäume gefällt werden müssen. Aus  Klimaschutzgründen ist dies abzulehnen“ meint Uli Schimschock, verkehrspolitischer Sprecher der Erkrather SPD-Ratsfraktion.

Elektrifizierte Bahnstrecken sind bei extremen Wetterereignissen (Sturm) sehr anfällig. Ein umgestürzter Baum allein im Gleisbereich lässt sich relativ schnell entfernen, eine heruntergerissene Fahrleitung erfordert dagegen einen immensen Reparaturbedarf und dementsprechend langandauernde Betriebseinstellung.

Als Alternative zu den herkömmlichen Fahrzeugen sollten vor allem innovative neue Antriebe mit wasserstoffbasierten Brennstoffzellen zum Einsatz kommen, meint die SPD. Der international tätige Zughersteller Alstom hat dazu ein Modell   Coradia iLint auf den Markt gebracht. In Düren und in Buxtehude sind solche Fahrzeuge erfolgreich im Einsatz.

Uli Schimschock: „Die geplante Elektrifizierung ist die falsche Lösung. Wir wollen Brennstoffzellenzüge wie den Coradia iLint der Fa. Alstom einsetzen, um die alten Talent-Züge auf der S28 abzulösen und den Betrieb der Streckenausweitung aufzunehmen.“

Der entsprechende Antrag der SPD-Ratsfraktion für den Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtrates lautet:

Für die nächste Sitzung des Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses am 31.03.2020 beantragen wir einen Tagesordnungspunkt

Einsatz von Brennstoffzellenzügen auf der S28

vorzusehen und bitten zu beschließen:

Die Regiobahn GmbH verzichtet auf die geplante Elektrifizierung ihrer Schieneninfrastruktur und setzt stattdessen Brennstoffzellenzüge auf der S28 ein.

Begründung:

Auf dem westlichen Ast der Regiobahn verkehren ausschließlich dieselelektrische Triebwagen der Bauart Talent. Auf dem östlichen sind außerdem mit Dieselloks bespannte Güterzüge für den Kalkverkehr im Einsatz.

Die geplante Elektrifizierung ist aus unserer Sicht ungeeignet. Stattdessen sollten Brennstoffzellenzüge wie der Coradia iLint der Fa. Alstom zum Einsatz kommen, um die betagten Talent auf der S28 abzulösen.

Die Elektrifizierung von Bahnstrecken ist kapitalintensiv und lohnt u.E. nur dort, wo schwere und schnellfahrende Züge zum Einsatz kommen. Der Platzbedarf an der Strecke zum Aufstellen der Masten und eines Sicherheitsabstands zur Vegetation ist immens. Es werden gerade im östlichen Streckenast tausende Bäume gefällt werden müssen. Aus  Klimaschutzgründen ist dies abzulehnen.

Elektrifizierte Bahnstrecken sind bei extremen Wetterereignissen (Sturm) sehr anfällig. Ein umgestürzter Baum allein im Gleisbereich lässt sich relativ schnell entfernen, eine heruntergerissene Fahrleitung erfordert dagegen einen immensen Reparaturbedarf und dementsprechend langandauernde Betriebseinstellung.

Im Bereich des Streckenabschnitts östlich Mettmanns ist zudem die Elektrifizierung rechtlich noch gar nicht möglich, weil es an der erforderlichen Planfeststellung mangelt, die wiederum wegen Grundeigentümerwiderspruchs streitbefangen ist.

Der Betrieb der S28 mit Coradia iLint ist in Abwägung o.g. Fakten vorzuziehen. Derzeit sind Fahrzeuge dieser Bauart im regulären Einsatz und haben sich bewährt. Weitere Bahnen im In- und Ausland stellen in nächster Zeit ihre Fahrzeugflotte auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge um, so dass künftig mit einer dauerhaften Auslastung der Produktionskapazitäten zu rechnen ist. Das gebietet schnelles Handeln.

Die von der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR bereits georderten Elektrozüge sollten dem derzeitigen „Ausleiher“ oder sonst auf dem Markt zum Kauf angeboten werden.

Soweit noch nicht erfolgt, ist durch den VRR und/oder die Regiobahn zu klären:

Möglichkeiten einer klimaneutralen / klimafreundlichen Herstellung von Wasserstoff

Unterbringung zusätzlicher baulicher Maßnahmen an den Endpunkten / Haltestellen­punkten für die Betankung

Lebenszyklusrechnung wirtschaftlich und ökologisch für die Investition und die Betriebs­kosten der neuen alternativen Antriebe gegenüber traditioneller E-Züge und der dafür notwendigen Infrastrukturmaßnahmen

Zeitverzögerungen durch womöglich längere Lieferfristen gegenüber einer Betriebs­auf­nahme nach Abschluss des Rechtsstreites um die Planfeststellung der Elektrifizierungsvariante

Förderungen aus den Klimapaketen

Der Güterzugbetrieb auf dem Ostast dient im Übrigen ausschließlich der Abfuhr von Kalkprodukten aus Dornap-Hahnenfurth. Die eingesetzten Dieselloks können mittelfristig ebenfalls durch mit Wasserstoff betriebenen Lokomotiven ersetzt werden. Darüber hinaus werden die zur Rauchgasentschwefelung benötigten Kalkprodukte nach Stilllegung der Braunkohlekraftwerke nicht mehr gebraucht, mithin fällt der Transport weg. Es bleibt der Transport von Kalkprodukten zur Stahlerzeugung im Ruhrgebiet.

In Buxtehude und in Düren werden die innovativen Brennstoffzellenzüge bereits eingesetzt, weitere Informationen dazu gibt es hier:

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/wasserstoffzug-dueren-rurtalbahn-100.html

Freundliche Grüße

Detlef Ehlert    Uli Schimschock