Abi 2020 – ja, nein, vielleicht? Planungssicherheit? Nein danke!

Abi 2020 – ja, nein, vielleicht? Planungssicherheit? Nein danke! 

Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) beantwortet im Moment die immer gleichen Fragen am liebsten mit unterschiedlichen, ja sogar widersprüchlichen Aussagen. Seit Tagen sorgt sie so für immense Verwirrung über die anstehenden oder eben nicht mehr anstehenden Abiturprüfungen in NRW. Inzwischen weiß wirklich niemand mehr, wahrscheinlich am allerwenigsten Frau Gebauer, wie es um die Abiturprüfungen 2020 wirklich steht. Aber was soll’s, um es im schönen Volksmund zu schreiben: Alles neu macht der Mai…

Doch worum geht’s bei Schulministerin Gebauer? Fast auf den Tag genau vor eineinhalb Wochen hatte sie die Abi-Prüfungen um drei Wochen nach hinten auf den 12. Mai verschoben, was sich mit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz der 16 Bundesländer deckte. Schon in dieser wurde über zwei Alternativen gesprochen: Einerseits können sich die Länder für Prüfungen oder eben für eine reine Vergabe von Durchschnittsnoten entscheiden. So weit so klar. Sie entschied sich für Prüfungen und sagte wörtlich: 

“Wir geben unseren Schülerinnen und Schülern jetzt Planungssicherheit, damit sie sich bestmöglich auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Dadurch sorgen wir für faire Bedingungen.”

Eine Wahlmöglichkeit für ein Abitur mit oder ohne Prüfungen gab es zu diesem Zeitpunkt unter Gebauer ausdrücklich nicht. Vielmehr war sie der Meinung, es gebe kein gerechteres Abitur als jenes, das mit Prüfungen zustande komme. Damit wischte sie vor anderthalb Wochen auch die Forderungen der Landesschülervertretung flink vom Tisch.

Am Wochenende sprach die Ministerin jedoch Bedenken aus, ob dieser Plan eingehalten werden könne: 

“Sollte ein Schulstart nach den Osterferien nicht möglich sein, müssen wir neu nachdenken”, sagte die Ministerin dem “Kölner Stadt-Anzeiger”.  Denkbar sei dann etwa, die Abiturnote aus den bereits vorhandenen Noten zu ermitteln. “Die Abiturienten haben ja zwei Drittel der Leistung bereits erbracht”, sagte sie. “Ähnlich könnte man auch bei der Ermittlung der Noten bei den mittleren Abschlüssen vorgehen.”

Aber nur einen Tag später kommt die Ministerin wieder zu völlig anderen Schlüssen:

“Alle Prüfungen finden selbstverständlich unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes statt. Es war und ist unser Ziel, die Abschlüsse in NRW, wie beispielsweise die Allgemeine Hochschulreife, auch in diesem Jahr auf der Grundlage von Prüfungen zu vergeben.” (WDR)

Zugleich behält sich die nordrhein-westfälische Landesregierung natürlich weitere Änderungen beim Abitur vor:

“In einer sehr dynamischen Lage bereitet das Ministerium für Schule und Bildung geeignete Szenarien vor. Zielsetzung des Schulministeriums bleibt es, auf der Grundlage des Kultusministerkonferenz-Beschlusses ein Abitur mit Prüfungen durchzuführen”, hieß es.

Wiederum sei es keine Option, die Prüfungen bei länger andauernden Schulschließungen weiter in den Sommer zu verschieben. Der Beginn der Sommerferien lasse eine weitere Verschiebung nicht zu. Auch das ist Gebauers Aussage. 

Frau Gebauer redet, andere Länder lassen Prüfungen schreiben

Tja, dazu sagen wir nur: “Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose”. Das war dereinst literarische Avantgarde – formuliert von Hemingway-Freundin Gertrude Stein im Paris der 20er Jahre. Für uns ist klar: Ein Tellerrand ist ein Tellerrand ist ein Tellerrand. Im Bildungsministerium NRW der Neuzeit ist das landespolitsches Pfeifen im Keller – von Bildungsministerin Yvonne Gebauer. Denn: Unklarheit ist Unklarheit ist Unklarheit. In äußerst seltsamer Beliebigkeit wechselt die Schulminsterin ihre Aussagen vom Ja zum Nein bis hin zum Vielleicht, dass einem beinahe Schwindlig wird beim erst geneigten und immer weniger geneigten Zuhören. Weil die Frau Schulministerin ja nur transparent und klar für die Schülerinnen und Schüler formulieren will. Nur nimmt die Klarheit mit jedem Tag mehr und mehr ab. Dabei waren sich die Bildungsminister der Länder durchaus einig: Ein Abitur ist ein Abitur ist ein Abitur – mit oder ohne Prüfung werde es vollständig anerkannt, so der Beschluss in besagter Kultusministerkonferenz. Den Begriff “Notabitur” halte Gebauer deshalb für falsch.

Doch so lange Frau Gebauer noch immer neue Aussagen erfindet, sind beispielsweise in Hessen die schriftlichen Abiturprüfungen zwischenzeitlich bereits gelaufen. Leider geht das schlechte Krisenmanagement der Ministerin vor allem zu Lasten der Schülerinnen und Schüler in NRW, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen. Sie sind völlig verunsichert. Zu recht. Viele leiden sowieso schon unter der aktuellen Krise. Nicht alle haben zu Hause gute Lernbedingungen, viele sorgen sich um ihre Eltern, die arbeitslos geworden oder in die Kurzarbeit geraten sind. Sie brauchen jetzt Sicherheit und eine klare Perspektive.

Das wäre zu schön! Auch ein bisschen mehr landespolitische Avantgarde würde Frau Gebauer nicht schaden. Vielleicht findet sie diese morgen, wenn sie im Schulausschuss berichtet, welche Szenarien geplant sind, um die Abschlüsse für alle Schulformen zu ermöglichen. Die Ausschusssitzung wird ab 10 Uhr im Livestream übertragen.