Unser Bürgermeisterkandidat Jörg Schintze zu “Politik in Corona-Zeiten”

SPD-Bürgermeisterkandidat Jörg Schintze

Erkrath.jetzt hat bei den Bürgermeisterkandidaten nachgehakt, wie sie ganz persönlich mit der aktuellen Situation umgehen und inwiefern das Virus ihre Themenschwerpunkte beeinflusst.

Wann glauben sie, in den aktiven Wahlkampf einsteigen zu können?

Jörg Schintze: Die Beantwortung kann man nur den Wissenschaftlern überlassen, die vom Fach sind. Ich will aber keinen Hehl daraus machen, dass mir die persönlichen Gespräche fehlen. Diese Art der Kommunikation kann weder durch Video-, noch durch Telefonkonferenzen dauerhaft ersetzt werden. Dazu kommt, ob der Termin für die Kommunalwahlen nicht verschoben werden müsste. Zum einen hoffe ich, dass diese extremen Einschränkungen unserer Freiheitsrechte – verbunden mit dramatischen Zukunftssorgen – nicht bis Mitte September andauern. Zum anderen darf man nicht übersehen, was zurzeit von den Mitarbeitern der Ordnungsämter geleistet wird. Regelmäßig tägliche Überstunden sowie Einsätze an den Wochenenden hinterlassen Spuren. Es werden zurzeit die helfenden Hände im Handel, im Gesundheitswesen und in anderen zentralen Versorgungsbereichen gesehen und gelobt. Aber auch im Bereich der Stadtverwaltungen wird derzeit Erhebliches geleistet. Diese Menschen haben es verdient, dass sie nach der Krise wieder mal zur Ruhe kommen.

Inwiefern beeinflusst die Corona-Krise ihre Themenschwerpunkte?

Jörg Schintze: Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie sich eine Gesellschaft zum Schlechten, aber auch zum Guten verändern kann. Wer hätte im Januar damit gerechnet, dass eine Rolle Toilettenpapier zum Symbol für individuellen Egoismus werden kann. Auf der anderen Seite werden Werte wie Rücksichtnahme, Mithilfe und Empathie zu tragenden Elementen einer solidarischen Gesellschaft. Auch erfahren derzeit viele Berufe eine Wertschätzung, weil die Gesellschaft jetzt erkennt, was diese Berufe tatsächlich „wert“ sind. Viele Stimmen behaupten, dass die Welt am Ende dieser Krise eine andere sein wird. Dies wurde sowohl nach den Anschlägen auf das World Trade Center als auch nach der letzten Finanzkrise behauptet. Wie bei den zuvor genannten Krisen, wird auch diese Krise Spuren hinterlassen. Wie sich die Welt verändern wird liegt auch an uns. Die Krise hat gezeigt, dass Angst und Furcht sehr starke Antriebe für Veränderungen sein können. Vieles was vorher undenkbar war, wurde innerhalb kürzester Zeit möglich gemacht. Ich möchte, dass sich aus diesem Zwang zur Veränderung für die Zukunft ein Mut zu Veränderungen entwickelt. Undenkbares denken und möglich machen kann ein Weg in eine erfolgreiche Zukunft sein. Politik sollte auch zukünftig mithelfen Denkblockaden aufbrechen, Probleme offen ansprechen und Lösungen entwickeln. Wichtig ist, dass Politik, egal auf welchen Ebenen, sich zunächst Ziele setzt. Wenn diese fixiert sind, muss Politik Wege zur Zielerreichung aufzeigen und nicht erklären, warum die Ziele doch nicht erreicht werden können. An die Stelle von Verzagtheit muss Zuversicht treten.

Wie gehen sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Jörg Schintze: Der größte Teil meiner Arbeit besteht zurzeit darin, meinen betroffenen Mandanten beispielsweise bei Steuerstundungen, Erlangung von Liquiditätshilfen oder Beantragung von Kurzarbeitergeld zu helfen. Hierbei treffe ich oft auf Gesprächspartner, die sich mental auch an ihrem Limit befinden. Ich hoffe, dass die von der Bundes- und von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen jetzt schnell wirken. Es ist wie bei der Coronapandemie, wir müssen den wirtschaftlichen Zusammenbruch weiter Teile der Gesellschaft so weit wie möglich verhindern. Zuhause teile ich mir mit meiner Frau einen Arbeitsplatz, da sie sich im Homeoffice befindet.